Nehmt nicht einfach nur die typischen Klassiker, sondern macht sie zu euren eigenen Worten!
Wir kennen sie alle, die Klischees der Eheversprechen:
„Du bist mein bester Freund.“
„In guten wie in schlechten Zeiten.“
„Ich kann mir ein Leben ohne dich nicht vorstellen.“
Das sind schöne Sätze. Und vor allem: Das Gefühl dahinter ist echt.
Trotzdem gibt es einen kleinen Haken: Diese Sätze stehen so oder so ähnlich in ziemlich vielen Eheversprechen.
Wenn ihr bei eurer Freien Trauung persönliche Worte füreinander sprechen möchtet, müsst ihr deshalb nicht nach besonders außergewöhnlichen oder poetischen Formulierungen suchen.
Werdet konkreter!
Denn genau dann entsteht ein Eheversprechen, das nicht von irgendeinem Hochzeitspaar stammen könnte.
Warum Eheversprechen schreiben oft so schwer ist
Du weißt ganz genau, was du für deinen Lieblingsmenschen empfindest.
Aber sobald du versuchst, diese Gefühle aufzuschreiben, klingt plötzlich alles irgendwie nach faden Kalendersprüchen.
Wir wollen etwas ziemlich Großes in ein paar Sätze packen: Liebe, gemeinsame Jahre, Zukunft, Vertrauen und das Versprechen, miteinander durchs Leben zu gehen.
Daher kommen einem dann zuerst die Sätze in den Kopf, die wir schon hundertmal gehört haben. Du musst diese Sätze aber gar nicht verbannen.
Nutze sie lieber als Ausgangspunkt.
Frage dich:
Was bedeutet dieser Satz konkret für mich und für unsere Beziehung?
Ein paar Beispiele
„Du bist mein bester Freund.“
Vielleicht stimmt genau das.
Aber warum ist dieser Mensch dein bester Freund?
Vielleicht meinst du eigentlich:
„Du bist der erste Mensch, dem ich alles erzählen will. Das Gute, das Schlechte und auch das Peinliche.“
Plötzlich entsteht ein Bild und es geht nicht mehr um irgendeinen besten Freund, sondern um deinen Lieblingsmenschen.
„In guten wie in schlechten Zeiten.“
Ein absoluter Klassiker.
Aber auch hier kannst du dich fragen: Was bedeutet dieses Versprechen für mich?
Zum Beispiel:
„Ich verspreche dir, mit dir durch die leichten und die schweren Zeiten zu gehen.“
Damit beschreibst du nicht nur ein großes Versprechen für irgendwann.
Du sagst, was du dir für euer gemeinsames Leben wirklich vornimmst.
„Du machst mich zu einem besseren Menschen.“
Auch hinter diesem Satz steckt ein wunderschöner Gedanke.
Interessanter wird er, wenn du erzählst, was dieser eine Mensch tatsächlich in deinem Leben verändert hat.
Vielleicht:
„Du erinnerst mich daran, was im Leben wirklich wichtig ist.“
Vielleicht bist du durch deine*n Partner*in mutiger geworden, gelassener oder spontaner. Oder du hast gelernt, auch einmal fünf gerade sein zu lassen.
Genau diese Dinge gehören in dein Eheversprechen.
„Ich kann mir ein Leben ohne dich nicht vorstellen.“
Natürlich kannst du das so sagen.
Du kannst aber auch ein Bild von eurer gemeinsamen Zukunft entstehen lassen:
„Wenn ich an mein Leben denke, dann ist die schönste Version davon die, in der du an meiner Seite bist.“
Schon wird aus einem bekannten Satz etwas viel Persönlicheres.
„Ich habe mich sofort in dich verliebt.“
Vielleicht war es tatsächlich Liebe auf den ersten Blick.
Vielleicht aber auch überhaupt nicht.
Manchmal entsteht Liebe schließlich nicht in diesem einen großen Hollywood-Moment., sondern beim zweiten Date. Beim gemeinsamen Frühstück, auf einer Autofahrt, beim ersten Urlaub oder an irgendeinem völlig unspektakulären Dienstagabend auf dem Sofa.
Dann könnte dein Satz lauten:
„Ich habe mich nicht auf einmal in dich verliebt. Ich habe mich in all den kleinen Momenten mit dir immer ein bisschen mehr verliebt.“
Diese kleinen Momente darfst du anschließend mit euren eigenen Erinnerungen füllen.
„Mit dir möchte ich alt werden.“
Was für ein schöner Gedanke.
Aber wie sieht dieses Altwerden für dich aus?
„Ich möchte noch ganz viele Versionen von uns kennenlernen. Die von morgen, die in zehn Jahren und irgendwann die mit grauen Haaren.“
Dieser Satz erzählt nicht nur von irgendeiner fernen Zukunft.
Er erzählt davon, dass du neugierig darauf bist, wie ihr euch verändern werdet – und dass du diese Veränderungen mit deinem Lieblingsmenschen gemeinsam erleben möchtest.
„Du bist mein Zuhause.“
Das höre ich wirklich sehr sehr oft. Und das stimmt ja auch.
Aber es geht mehr um dieses Gefühl, bei einem Menschen vollkommen ankommen zu können.
Dann könnte aus „Du bist mein Zuhause“ werden:
„Bei dir kann ich ankommen, ganz egal, wo wir gerade sind.“
„Ich werde dich für immer lieben.“
Ein großes Versprechen.
Vielleicht möchtest du lieber etwas versprechen, das du tatsächlich jeden Tag leben kannst:
„Ich verspreche dir, unsere Liebe nie als selbstverständlich zu sehen.“
Denn Liebe besteht nicht nur aus einem Ja an eurem Hochzeitstag, sondern aus ganz vielen kleinen Entscheidungen danach.
Es ist nicht schwer!
Ich erlebe immer wieder, dass Hochzeitspaare sich bei ihren persönlichen Worten enorm unter Druck setzen, weil sie nach Perfektion suchen.
Sie glauben, sie müssten besonders romantisch oder tiefgründig schreiben.
Müsst ihr nicht.
Du schreibst keinen Liebesroman.
Und du musst keinen Satz erfinden, der anschließend auf Instagram tausendfach geteilt wird. Dein Lieblingsmensch soll euch darin erkennen: eure Art zu sprechen, euren Humor und eure gemeinsamen Erinnerungen.
Wenn du also vor einem Satz sitzt und denkst:
„Das klingt schön, aber irgendwie könnte das jeder sagen“, dann lösch ihn nicht sofort.
Frag dich stattdessen:
- Was meine ich ganz genau damit?
- Warum ist dieser Mensch mein bester Freund?
- Wann fühle ich mich bei ihm zuhause?
- Was hat er in meinem Leben verändert?
- Welche kleinen Momente haben dazu geführt, dass ich mich verliebt habe?
- Was möchte ich diesem Menschen für unser gemeinsames Leben wirklich versprechen?
Schreib die Antworten auf.
Meistens verstecken sich genau darin die Sätze, nach denen du die ganze Zeit gesucht hast.
Und wenn du trotzdem nicht weißt, was du sagen sollst?
Keine Sorge: Es gibt kein richtig oder falsch. Und ein, zwei Sätze reichen. Punkt.
Wir können gemeinsam schauen, welche Form zu euch passt und womit ihr euch wohlfühlt.
Denn am Ende gilt für eure Eheversprechen genau das Gleiche wie für eure gesamte Freie Trauung:
Your day. Your way.

